Clara Viebigs Roman *Das tägliche Brot* ist ein eindringliches Porträt der ländlichen Armut und des harten Lebens am Niederrhein zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Mit meisterlicher Hand zeichnet Viebig das alltägliche Ringen der Bauernfamilien um ihre Existenz und die tragischen Konflikte, die aus wirtschaftlicher Not und gegenseitigem Misstrauen entstehen. In einem eindringlichen und zugleich realistischen Stil verbindet sie naturalistische Eindrücke mit psychologischer Tiefe, wobei die schroffe Naturkulisse und die Unvermeidlichkeit des Schicksals eine zentrale Rolle spielen. Im literarischen Kontext ist das Werk ein bemerkenswertes Beispiel für den kritischen Realismus und reflektiert die sozialen Umwälzungen seiner Zeit. Geboren 1860 in Trier, verbrachte Viebig ihre prägenden Jahre im Rheinland, eine Region, die später den Schauplatz vieler ihrer Werke bilden sollte. Clara Viebig war eine der wenigen anerkannten weiblichen Autoren ihrer Zeit, deren Schaffen vom sozialen Engagement und einer scharfsinnigen Beobachtungsgabe geprägt war. Ihre Erfahrungen und Beobachtungen der ungezählten Facetten menschlicher Schicksale flossen direkt in ihre literarische Arbeit ein und geben ihren Romanen eine einzigartige Authentizität und Tiefe. Für den Leser, der ein Interesse an sozialhistorischem Kontext und psychologisch tiefgründiger Erzählkunst hegt, bietet *Das tägliche Brot* einen unverzichtbaren Einblick in die Herausforderungen der damaligen Zeit. Viebigs Fähigkeit, Empathie für die größtenteils unsichtbar gebliebenen Schichten der Gesellschaft zu wecken, macht dieses Buch zu einer lohnenden Lektüre. Es wird empfohlen für all jene, die die Spannung zwischen Schicksal und persönlichem Überlebenskampf in einer realistischen, gut recherchierten Erzählung schätzen.