Raus an die frische Luft!
Nach mehreren Jahren mit Gudrun Ensslin in diversen Gefängniszellen gabs für mich nur eins: Raus an die frische Luft und rein in die Wiese, wo keine Mauern und keine Gitter sind; wo das Auge bis zum Horizont ausrollen kann, in Himmel und Land; wo alle Farben sind und manche nur drauf warten, auch gesehen zu werden; wo es gut riecht und keine Autos, keine Einkaufszentren, keine Fabrikschlote sind; wo man durch die Füße bis zum Scheitel den Boden spürt, der weicher oder härter ist, holpriger oder ebener; wo Vogelstimmen und Insektensummen in den Ohren spielen; wo Mückenstiche plagen und Zeckenbisse drohen, doch keine Kapitalverwertung ist: in ein Naturschutzgebiet, wo Pflanze und Tier um ihrer selbst und um des Lebens Willen leben können.
Was machen wir da? Wir arbeiten mit unseren Händen am Boden, um die Wiese zu erhalten, wir schwitzen, wir fühlen hin und stellen Fragen, wir teilen die Care-Arbeit unter uns auf, wir schauen, betrachten, wir lassen uns fallen, wir tauchen ein in die jetzt schon so stark reduzierte und immer noch überwältigende Vielfalt der Arten. Wir stellen fest, dass alle anderen außer uns auf diesem Planeten nicht tauschen.
Stephanie Bart